Sechs gute Gründe, keine Dark Patterns zu nutzen

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Es ist klar, was sich Anwender:innen von Dark Pattern wünschen: Mehr Geld und Daten. Und ja, sie sind erfolgreich. Leider. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kund:innen eine gewünschte Aktion ausführen, kann mit Dark Patterns um das 2-4-fache erhöht werden.  Es gibt aber auch viele gute Gründe, keine Dark Patterns auf deiner Webseite zu nutzen. Ich nenne dir hier mal sechs.

1. Es ist einfach nicht ethisch

Menschen zu manipulieren, sie auszutricksen und sie höchstwahrscheinlich auch ziemlich wütend zu machen finde ich schon unvertretbar. Wenn diese Menschen aber Kund:innen sind, ist das meiner Meinung nach ethisch einfach nicht zu rechtfertigen. Selbst Kinderspiele und -Apps sind so gestaltet, dass die kleinsten unserer Gesellschaft schon manipuliert werden (und das obwohl der präfrontale Kortex, ein Bereich im Gehirn, der unter anderem für Selbstregulation wichtig ist, erst im Alter von ca. 20 Jahren vollständig ausgebildet ist.)

Klar beeinflusst du deine Kund:innen durch deine Angebote, deine Texte, Bilder und Webseite. Und ja, Dark Patterns sind teilweise schwierig abzugrenzen. Aber Kund:innen (meist) wissentlich zu hintergehen, um noch ein paar schwarze Zahlen mehr zu erzielen? Sorry, geht für mich gar nicht.

2. Es ist nicht nachhaltig

Der Kapitalismus feuert ständiges Wachstum an. Wachstum, welcher viel zu viele Ressourcen verbraucht. Durch Dark Patterns wird mehr verkauft, was bedeutet: mehr Materialien, mehr Transporte, mehr Platz für Zeugs zu Hause. Public Eye hat es für die Fast Fashion Industrie mal folgendermassen zusammengefasst: „Dark Patterns sind der Schmierstoff im Getriebe der Online-Fast-Fashion-Industrie.“ Mehr Käufe bedeutet gerade in der Modebranche auch mehr Retouren, was wiederum zu mehr Transporten führt.

Doch nicht nur die Verkäufe steigen, sondern auch die Sammlung von persönlichen Daten. Diese Daten müssen gespeichert werden – was eine Menge Strom und auch Platz auf Servern braucht.

3. Dark Patterns sind nicht kundenfreundlich

Dieser Punkt schliesst sich aus dem ersten. Dark Patterns sind meist nicht sehr nutzerfreundlich. Und was nicht sehr kundenfreundlich ist, währt vielleicht auch nicht so lange, ausser man hat ein Monopol (dann wirds echt tricky).

Überlege dir, was du tust, wenn es dir im Internet in der einen Ecke nicht gefällt…

… genau, du gehst einfach weiter. Das nächste Angebot wartet in den allermeisten Fällen auf der nächsten Seite, die vielleicht ihr Webdesign kundenfreundlicher gestaltet und ohne Dark Patterns auskommt.

4. Menschen wehren sich und Beschwerden häufen sich

Vielleicht belassen Kund:innen es aber nicht beim Wechsel vom Anbieter des gewünschten Produkts. Vielleicht beschweren sie sich auch…

…auf Bewertungsseiten

Blöd, wenn sich die Kommentare da häufen, das ist nämlich nicht unbedingt verkaufsfördernd.

…beim Kundenservice

Es nützt nicht viel, wenn zwar mehr Geld durch Dark Patterns eingenommen werden können, aber danach mehr Zeit in die Kundenbetreuung gesteckt werden muss.

…oder sie klagen

Zum Beispiel gegen Fortnite – einem Onlinegame. Hier darf das Unternehmen 245 Millionen an die Spieler zurückzahlen. Dark Patterns waren im Einsatz und das hat gereicht, damit sich Menschen beklagt haben – und Recht erhalten haben. Auch Amazon wurde 2021 verklagt, weil sie Dark Patterns einsetzen, um die Kündigung von Prime-Abos so schwer wie möglich zu machen. Was auch schon zum 5.Punkt führt:

5. Dark Patterns können geschäftsschädigend werden

Verlorene Rechtsstreite kommen meist teuer. Warum also überhaupt erst mit Dark Patterns anfangen? Es muss nicht mal bis zur Klage kommen, damit es geschäftsschädigend sein kann, fiese Tricks im Design einzubauen. Es reicht ein Konkurrent, der einfach netter ist. Oder wie Harry Brignull (Ersteller von darkpatterns.org) sagt: „It’s just a matter of time before a competitor comes along who provides a better experience. If your business depends on Dark Patterns to succeed, you’re just leaving yourself open to being disrupted.“
(Deutsch: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Konkurrent daher kommt und eine bessere Erfahrung für Kunden bietet. Wenn der Erfolg deines Unternehmen von Dark Patterns abhängt, läufst du Gefahr, ge- oder zerstört zu werden.)

6. Dark Patterns sind ein Problem für den Datenschutz

Ja, ich weiss, alle sind genervt vom Datenschutz. Aber ganz ehrlich, es ist ein unglaublich wichtiges Thema. Aber weil mit Dark Patterns gearbeitet wird, um an Nutzerdaten zu kommen, verlieren Datenschutzgesetze an Wirkung. Der Digital Services Act (DSA), der seit dem Herbst aktiv ist, wird von vielen Online-Dienste nicht eingehalten: Tiktok, Snapchat, X und Instagram halten sich beispielsweise nicht an die vorgeschriebene Werbetransparenz. Google Shopping, Amazon, Booking und Youtube setzen weiter verbotene Dark Patterns ein.

An der Stelle magst du denken: „Sollen sie doch machen mit meinen Daten, was sie wollen – ich hab nichts zu verstecken“. Das mag sein. Bis zu dem Punkt, wo wir vielleicht nicht mehr in einer netten Demokratie leben und Dinge, die heute noch erlaubt sind, plötzlich verboten sind… Deswegen folgende Fragen von Jer Thorp:

„Was für eine Zukunft erschaffen wir gerade für unsere Kinder und Enkel? Wollen wir wirklich, dass Geheimdienste oder Unternehmen die Mails und sämtliche privaten Daten [von uns,] unseren Kindern und Enkel lesen können?“

– Zitat von Jer Thorp aus „Daten: Das Öl des 21. Jahrhunderts?“ von Malte Spitz

Bitte, sei nett und lass das mit den Dark Patterns. Ich zeig dir auch im nächsten Beitrag, wie du deine Webseite ohne gemeine Tricks gestalten kannst.

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